Warum Katzen Kartons lieben (die Wissenschaft erklärt es)

21. Oktober 20264 Min. Lesezeit
Warum Katzen Kartons lieben (die Wissenschaft erklärt es)

Informativer Ratgeber auf Basis anerkannter tierärztlicher Quellen. Bei Symptomen wende dich immer an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.

Es ist fast ein Naturgesetz: Du kaufst deiner Katze ein Spielzeug oder ein Bett, und sobald du das Paket öffnest, setzt sie sich in den Karton und ist nicht mehr herauszubekommen. Genauso bei Schubladen, offenen Koffern, Taschen oder Wäschekörben. Es wirkt wie eine Laune, aber dahinter stecken gute Gründe, und einige davon wurden wissenschaftlich untersucht.

1. Ein Karton ist ein Zufluchtsort gegen Stress

Katzen sind Jäger und zugleich potenzielle Beute größerer Tiere. Ihre Strategie bei etwas, das sie beunruhigt, ist fast nie die Konfrontation, sondern sich zu verstecken und zu beobachten. Ein geschlossener Raum mit Wänden an den Seiten und nur einem Eingang lässt sie sich geschützt fühlen, während sie im Blick behalten, was draußen passiert.

2014 veröffentlichte ein Team der Universität Utrecht (Niederlande) mit der Forscherin Claudia Vinke in der Fachzeitschrift Applied Animal Behaviour Science eine Studie mit 19 Katzen, die neu in ein Tierheim gekommen waren. 10 von ihnen bekamen eine Box zum Verstecken, die anderen 9 nicht. Über 14 Tage wurde ihr Stresslevel anhand einer Verhaltensskala gemessen.

Das Ergebnis: Die Katzen mit Box zeigten in den ersten Tagen weniger Stress und erreichten um den dritten Tag ein Maß an Gelassenheit, das die andere Gruppe erst am Ende der zwei Wochen erreichte. Die Autorinnen folgerten, dass eine Versteckbox eine wichtige Hilfe zu sein scheint, um sich an eine neue Umgebung zu gewöhnen. Eine spätere Studie derselben Gruppe, 2019 in PLOS ONE veröffentlicht, fand ähnliche Vorteile.

2. Er hält warm

Katzen fühlen sich bei höheren Temperaturen wohl als wir. Karton isoliert gut, und ein kleiner Raum hält die Körperwärme der Katze. Nicht umsonst suchen sie im Winter noch öfter nach Kartons, Decken und gemütlichen Ecken.

3. Das perfekte Versteck für die Jagd

Aus einem Karton heraus kann die Katze lauern, ohne gesehen zu werden. Viele Jagdspiele beginnen genau so: eine Katze, geduckt im Karton, mit geweiteten Pupillen, die darauf wartet, dass ein Spielzeug (oder deine Füße) vorbeikommt, um loszuspringen.

4. „If I fits, I sits“: sogar in eingebildeten Quadraten

Bestimmt hast du schon Fotos von Katzen gesehen, die in einem Quadrat aus Klebeband auf dem Boden sitzen. 2021 untersuchten Forscherinnen des Hunter College der City University of New York (Gabriella Smith und ihr Team) das mit einem Citizen-Science-Experiment, das in Applied Animal Behaviour Science erschien.

Sie baten Katzenhalter, ein echtes Quadrat, eine Kontrollfigur und eine optische Täuschung namens Kanizsa-Quadrat auf den Boden zu legen: vier „Pac-Man“-förmige Teile, die das Gehirn ein Quadrat sehen lassen, das in Wirklichkeit gar nicht existiert. Von den 30 Personen, die das Experiment abschlossen, wählten 9 Katzen eine der Figuren. Bei 16 Auswahlen entschieden sich die Katzen 8-mal für das echte Quadrat, 7-mal für das scheinbare Quadrat und nur 1-mal für die Kontrollfigur.

Die Stichprobe ist klein, deshalb mahnen die Autorinnen selbst zur Vorsicht. Aber sie deutet auf etwas Kurioses hin: Katzen werden von Umrissen angezogen, die einen Raum „umschließen“ – auch wenn sie nur eine Illusion sind.

So nutzt du ihre Liebe zu Kartons

  • Biete immer ein Versteck an. Vor allem, wenn Besuch da ist, gebaut wird, ein neues Tier einzieht oder ein Umzug ansteht.
  • Biete Verstecke auf verschiedenen Höhen an. Viele Katzen verstecken sich gern weit oben, etwa auf einem Regal oder auf einem Schrank.
  • Wenn du eine Katze adoptierst, richte ihr ein ruhiges Zimmer mit einem Karton oder einem geschlossenen Bett ein. Das hilft ihr in den ersten Tagen beim Eingewöhnen.
  • Mach den Karton zum Spiel. Schneide ein paar Löcher hinein und leg ein Spielzeug hinein, oder verbinde mehrere Kartons zu einem kleinen Parcours.
  • Überprüfe Kartons vor der Benutzung. Entferne Klammern, Klebeband, Plastik und Griffe, an denen sie hängen bleiben könnte.
  • Hol sie nicht mit Gewalt heraus. Wenn sie sich versteckt, dann weil sie es braucht. Ihren Rückzugsort zu respektieren, stärkt ihr Vertrauen.

Und wenn der Karton schon ziemlich ramponiert ist?

Karton geht irgendwann kaputt – zerkratzt und plattgedrückt. Eine langlebige Alternative ist eine Katzenhöhle oder ein Filztunnel, die denselben Zweck erfüllen: schützende Wände, ein Eingang zum Beobachten und ein warmes Inneres. Stell sie an einen ruhigen Ort, weit weg von Durchgangsbereichen.

Kurz gesagt: Deine Katze liebt Kartons, weil sie ihr Sicherheit, Wärme und einen guten Ansitz für die Jagd bieten. Ein Versteck ist keine Laune, sondern ein echtes Bedürfnis für ihr Wohlbefinden.

In den Ratgebern von Katlune findest du weitere Ideen für ein katzengerechtes Zuhause, und der Club Katlune bringt dir jede Woche praktische Tipps wie diese.

Quellen: Vinke, C. M., Godijn, L. M. und van der Leij, W. J. R. (2014), „Will a hiding box provide stress reduction for shelter cats?“, Applied Animal Behaviour Science, Universität Utrecht; van der Leij, W. J. R. et al. (2019), PLOS ONE; Smith, G. E., Chouinard, P. A. und Byosiere, S.-E. (2021), „If I fits I sits: A citizen science investigation into illusory contour susceptibility in domestic cats“, Applied Animal Behaviour Science.

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